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Exponential-, Logarithmus- und Wurzelungleichungen

Drei Arten von Ungleichungen haben eine gemeinsame Idee: Man vergleicht zwei Graphen. Bei Potenzen und Logarithmen entscheidet die Basis, ob das Zeichen umkippt (Basis größer als 1 behält es, Basis zwischen 0 und 1 dreht es um). Bei Logarithmen und Wurzeln prüft man zuerst die Definitionsmenge, und bei einer Wurzelungleichung muss man auf das Vorzeichen der anderen Seite achten.

🎬 Geschichte Schritt für Schritt

  1. Wir vergleichen zwei Graphen. Die blaue Kurve ist 2ˣ, die orange Linie ist 4. Der grüne Balken zeigt alle x, bei denen Blau über Orange liegt.
  2. Jetzt ist die Basis 1/2. Die Kurve fällt, statt zu steigen, darum wandert der grüne Balken nach links. Das Zeichen dreht sich um.
  3. Ein Logarithmus gibt es nur für x größer als 0. Der rote Balken ist die verbotene Zone. Der grüne Balken endet bei x = 8.
  4. Eine Quadratwurzel gibt es nur ab x = −2. Blau liegt von −2 bis 2 über Orange. Erst die Definitionsmenge, dann vergleichen.
  5. Wir drehen die Frage um: Die Wurzel soll unter der Linie liegen. Jetzt passt nur x größer als 2. Schiebe das Test-x auf 0 und sieh, dass es nicht klappt.
  6. Freies Spiel. Wähle eine beliebige Ungleichung, schiebe das Test-x und prüfe, dass WAHR nur im grünen Balken erscheint.

Tipp: Zieh die 3D-Szene, um sie zu drehen. Mit zwei Fingern zoomst du.

🤔 Häufige Zweifel, geklärt

Warum dreht sich das Zeichen, wenn die Basis 1/2 ist?

Bei einer Basis zwischen 0 und 1 wird die Potenz kleiner, wenn der Exponent wächst. Eine größere Potenz braucht also einen kleineren Exponenten.

Warum sind x = 0 oder eine negative Zahl bei log x nicht erlaubt?

Keine Potenz einer positiven Basis ergibt 0 oder eine negative Zahl. Die Kurve existiert dort also nicht.

Warum muss ich bei einer Wurzel zuerst die Definitionsmenge prüfen?

Die Wurzel existiert in diesem Beispiel erst ab x = −2. Der grüne Balken kann nicht früher beginnen.

Warum darf ich nicht einfach beide Seiten quadrieren?

Ist die rechte Seite negativ, wird sie beim Quadrieren positiv und die Aussage ändert sich. Teste x = 0 im Fall "Wurzel unter der Linie": Es klappt nicht.

Wie kann ich sicher sein, dass meine Antwort stimmt?

Teste eine Zahl innerhalb und eine außerhalb. Wenn WAHR nur im grünen Balken erscheint, hast du recht.

Exponentialungleichungen: Schau auf die Basis

Eine Exponentialungleichung hat die Unbekannte im Exponenten, zum Beispiel 2ˣ > 8. (Der Exponent ist die kleine hochgestellte Zahl.)

Schritt 1: Schreibe beide Seiten mit derselben Basis: 2ˣ > 2³.

Schritt 2: Vergleiche die Exponenten. Die Basis entscheidet:

Eine Potenz ist nie null und nie negativ. Darum ist 2ˣ > −5 für jedes x wahr, und 2ˣ < −5 ist nie wahr.

Versteckte quadratische Gleichung: Bei 4ˣ − 3·2ˣ + 2 < 0 setze t = 2ˣ (t > 0). Dann gilt t² − 3t + 2 < 0, also 1 < t < 2, also 0 < x < 1.

Logarithmusungleichungen: Erst die Definitionsmenge

Ein Logarithmus beantwortet die Frage "Mit welchem Exponenten erhalte ich diese Zahl?". log₂ 8 = 3, weil 2³ = 8. Er existiert nur, wenn die Zahl darin größer als 0 ist.

So löst du loga f(x) < loga g(x):

  1. Schreibe die Definitionsmenge auf: f(x) > 0 und g(x) > 0.
  2. Basis größer als 1: Zeichen behalten, f < g. Basis zwischen 0 und 1: Zeichen umdrehen, f > g.
  3. Verbinde das Ergebnis mit der Definitionsmenge (nimm nur den Teil, der in beiden liegt).

Beispiel: log₂(x − 1) < 3. Definitionsmenge: x > 1. Vergleich: x − 1 < 8, also x < 9. Antwort: 1 < x < 9.

Eine gewöhnliche Zahl kannst du bei Bedarf in einen Logarithmus verwandeln: 3 = log₂ 8.

Irrationale Ungleichungen (Wurzelungleichungen)

Eine irrationale Ungleichung hat die Unbekannte unter einer Wurzel, zum Beispiel √(x + 2) < x. Eine Quadratwurzel ist nie negativ, und der Ausdruck unter ihr darf nicht negativ sein.

Fall √f < g (die Wurzel ist klein). Alle drei Bedingungen müssen zugleich gelten: f ≥ 0, g > 0 und f < g².

Fall √f > g (die Wurzel ist groß). Zwei Wege, die man mit "oder" verbindet:

Quadriere nie beide Seiten, wenn du nicht weißt, dass beide Seiten nicht negativ sind. Nur dann ist Quadrieren sicher.

Beispiel: √(x + 2) < x. Definitionsmenge x ≥ −2. Wir brauchen x > 0. Quadrieren: x + 2 < x², also x² − x − 2 > 0, also x > 2 oder x < −1. Zusammen mit x > 0 lautet die Antwort x > 2.

Prüfe jede Antwort

Nimm eine Zahl innerhalb deiner Antwort und eine außerhalb. Setze beide in die ursprüngliche Ungleichung ein. Innen muss WAHR herauskommen, außen FALSCH (oder "nicht erlaubt"). Auf dem 3D-Brett ist der grüne Balken die wahre Zone und der rote Balken die verbotene Zone.

Bei gemischten Aufgaben hilft eine Vorzeichentabelle: Markiere die Stellen, an denen sich jeder Teil ändert, teste eine Zahl in jeder Lücke und behalte die Lücken, die wahr sind.

Probier es aus: erst raten, dann prüfen

Wähle auf dem 3D-Brett 2^x > 4. Rate, bevor du schiebst: Liegt x = 1 im grünen Balken? Schiebe das Test-x auf 1 und lies WAHR oder FALSCH ab. Wähle nun (1/2)^x > 4 und rate noch einmal für x = 1. Zu Hause: Falte ein Blatt Papier immer wieder in der Mitte. Nach 5 Faltungen hat es 2⁵ = 32 Lagen. Wie viele Faltungen ergeben mehr als 1000 Lagen? (2ˣ > 1000 ergibt 10 Faltungen.)

Wichtige Formeln und Definitionen

Gelöste Beispiele

1. Löse 3ˣ > 27.

27 = 3³, also 3ˣ > 3³. Die Basis 3 ist größer als 1, also bleibt das Zeichen: x > 3.

2. Löse (1/2)^(x − 1) ≥ 1/8.

1/8 = (1/2)³. Also (1/2)^(x − 1) ≥ (1/2)³. Die Basis liegt zwischen 0 und 1, also drehen wir das Zeichen um: x − 1 ≤ 3, also x ≤ 4.

3. Löse log₂(x − 1) < 3.

Definitionsmenge: x − 1 > 0, also x > 1. Weil 3 = log₂ 8, brauchen wir x − 1 < 8, also x < 9. Antwort: 1 < x < 9.

4. Löse log_{1/3}(2x − 1) > −1.

Definitionsmenge: 2x − 1 > 0, also x > 1/2. Schreibe −1 = log_{1/3} 3. Die Basis ist kleiner als 1, also drehen wir um: 2x − 1 < 3, also x < 2. Antwort: 1/2 < x < 2.

5. Löse 4ˣ − 3·2ˣ + 2 < 0.

Sei t = 2ˣ, t > 0. Dann t² − 3t + 2 < 0, also (t − 1)(t − 2) < 0, also 1 < t < 2. Das heißt 2⁰ < 2ˣ < 2¹, also 0 < x < 1.

6. Löse √(x + 2) < x.

Wir brauchen x + 2 ≥ 0 (x ≥ −2), x > 0 und x + 2 < x². Die letzte Bedingung ergibt x² − x − 2 > 0, also (x − 2)(x + 1) > 0, also x > 2 oder x < −1. Zusammen mit x > 0: x > 2.

7. Löse √(x + 2) > x.

Weg 1: x < 0 und x + 2 ≥ 0, also −2 ≤ x < 0. Weg 2: x ≥ 0 und x + 2 > x², also x² − x − 2 < 0, also −1 < x < 2, also 0 ≤ x < 2. Zusammen: −2 ≤ x < 2.

8. Löse log₂ x + log₂(x − 2) ≤ 3.

Definitionsmenge: x > 0 und x − 2 > 0, also x > 2. Zusammenfassen: log₂(x(x − 2)) ≤ 3, also x² − 2x ≤ 8, also x² − 2x − 8 ≤ 0, also (x − 4)(x + 2) ≤ 0, also −2 ≤ x ≤ 4. Mit der Definitionsmenge: 2 < x ≤ 4.

Häufige Fehler

Übungsquiz

1. Die Lösung von 5ˣ > 25 ist:
2. Die Lösung von (0.5)ˣ > 0.25 ist:
3. log₃(x − 2) ist definiert für:
4. Die Lösung von log₂ x < 3 ist:
5. Für √f < g brauchen wir f ≥ 0, f < g² und:

Üben: Beantworte diese selbst

Tippe oder wähle deine Antwort und drücke dann Prüfen. Nutze einen Tipp, wenn du nicht weiterkommst; die ganze Lösung erscheint nach deiner Antwort.

Häufig gestellte Fragen

Was ist hier der Unterschied zwischen einer Gleichung und einer Ungleichung?

Eine Gleichung ergibt einen oder wenige Punkte. Eine Ungleichung ergibt ganze Stücke (Intervalle) von x, wie x > 2.

Muss ich beim Logarithmieren immer das Zeichen umdrehen?

Nein. Nur wenn die Basis zwischen 0 und 1 liegt. Bei Basis 2, 10 oder e bleibt das Zeichen.

In welcher Klasse lernt man das?

In vielen Ländern kommt es in den letzten Schuljahren vor (etwa Klasse 11), zusammen mit Gleichungen und Funktionsgraphen.

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