Eigenständigkeit: deine eigenen Worte und Ideen
Wissenschaftliche Redlichkeit bedeutet, beim Lernen ehrlich zu sein: Du machst deine Arbeit selbst und nennst die Quelle, wenn du etwas von anderen verwendest. Eigenständigkeit bedeutet, dass die Ideen, die Beispiele und die Worte in deiner Arbeit von dir sind oder klar als geliehen gekennzeichnet sind.
Warum das wichtig ist: Deine Lehrkraft sieht nur dann, was du wirklich verstehst, wenn du selbst schreibst. Ehrliche Arbeit ist fair gegenüber deinen Mitschülern und achtet die Menschen, die zuerst nachgedacht haben.
Was ist ein Plagiat?
- Wörter genau abschreiben und keine Anführungszeichen setzen.
- Nur ein paar Wörter ändern und es dann als eigenes ausgeben („Patchwriting“).
- Die Idee, die Daten oder das Bild eines anderen verwenden, ohne den Namen zu nennen.
- Eine Arbeit abgeben, die jemand anderes für dich gemacht hat: eine Freundin, eine Webseite oder ein Programm.
- Eine eigene, schon abgegebene Arbeit noch einmal als neu abgeben, ohne es zu sagen.
Du darfst dir beim Lernen helfen lassen: Lass dir etwas erklären, schließe dann die Seite und schreibe es selbst.
Passende Quellen auswählen
Eine Quelle ist der Ort, woher du eine Idee oder einen Fakt hast: ein Buch, eine Webseite, ein Artikel, ein Interview, ein Video. Nicht jede Quelle ist gut. Prüfe sie mit vier Fragen:
- Wer hat es geschrieben? Eine genannte Person oder eine Organisation, die du überprüfen kannst und die sich mit dem Thema auskennt.
- Wann? Ist es aktuell genug für dein Thema? Alte Daten können heute falsch sein.
- Gibt es Belege? Zeigt der Text Zahlen, Verweise oder Experimente und nicht nur Meinung?
- Passt es zum Thema? Beantwortet es DEINE Frage, auf einem Niveau, das du nutzen kannst?
Frage dich auch: Warum wurde es geschrieben? Eine Seite, die etwas verkaufen will, lässt vielleicht Fakten weg. Nutze mehr als eine Quelle und prüfe, ob sie übereinstimmen. Schulbücher, Webseiten von Museen und Wissenschaftsbehörden sowie Artikel von genannten Fachleuten sind meist stark. Ein anonymer Beitrag ohne Datum und ohne Verweise ist schwach.
Quellen in Forschungsarbeiten zitieren
Zitieren heißt, klar zu sagen, woher eine Idee oder ein Fakt stammt. Das machst du an zwei Stellen.
- Im Text: Setze Autor und Jahr hinter die Idee: „Flüsse transportieren Erde von den Hügeln in die Ebenen (Mehta, 2020).“
- Im Literaturverzeichnis am Ende: die vollständigen Angaben, damit ein Leser die Quelle finden kann. Beispiel: Mehta, R. (2020). How Rivers Shape Land. Green Books.
Zitat, Paraphrase, Zusammenfassung
- Zitat: genaue Worte, in Anführungszeichen, mit Quelle.
- Paraphrase: eine Idee, ganz in eigenen Worten und mit eigenem Satzbau neu geschrieben, trotzdem mit Quelle.
- Zusammenfassung: eine kurze Fassung eines langen Textes, in deinen Worten, mit Quelle.
Was braucht keine Quelle? Dein eigenes Denken, die Ergebnisse deines eigenen Experiments und Allgemeinwissen, das jeder an vielen Stellen nachprüfen kann (zum Beispiel „Wasser gefriert bei 0 °C“). Wenn du unsicher bist, gib die Quelle an.
Deine Lehrkraft verlangt vielleicht einen Zitierstil (APA, MLA, Harvard und andere). Alle nennen dieselben Angaben, nur in etwas anderer Reihenfolge. Nimm den Stil, den du genannt bekommst, und bleibe dabei.
Probier es aus: der ehrliche Absatz
Schreibe drei Sätze zu einem Thema, das du magst, und nutze dafür ein Buch oder eine Webseite. Füge die Quellenangabe im Text hinzu und schreibe ein Literaturverzeichnis mit einer Zeile. Tausche mit einer Freundin oder einem Freund. Kann sie oder er deine Quelle anhand deines Eintrags finden? Schau im 3D die Teile des Schilds an: Autor, Jahr, Titel.
Wichtige Formeln und Definitionen
- Eigenständigkeit = meine Ideen + meine Worte (oder klar gekennzeichnete fremde)
- Plagiat = fremde Worte oder Ideen, als meine ausgegeben
- Gute Quelle: Autor + Datum + Belege + passendes Thema
- Genaue Worte → Anführungszeichen + Quellenangabe
- Fremde Idee → eigene Worte + Quellenangabe. Immer ins Literaturverzeichnis aufnehmen
Gelöste Beispiele
1. Ursprüngliche Idee: „Flüsse tragen Erde von den Hügeln und lassen sie in den Ebenen liegen.“ (Mehta, 2020). Schreibe eine ehrliche Paraphrase.
Mehta (2020) erklärt, dass Flüsse Erde von hohem Land wegbewegen und auf tiefem, flachem Land ablagern. Die Worte und der Satzbau sind neu, und die Quelle ist genannt.
2. Ein Schüler schreibt den Satz oben genau so ab, ohne Anführungszeichen und ohne Namen. Was ist falsch?
Das ist ein Plagiat. Die Worte sind kopiert und es wird keine Quelle genannt. Behebe es mit Anführungszeichen und (Mehta, 2020) oder schreibe es mit eigenen Worten um und gib die Quelle an.
3. Du findest eine Seite „10 Geheimnisse des Wetters“ ohne Autor, ohne Datum und ohne Verweise. Solltest du sie benutzen?
Nein. Du kannst nicht erkennen, wer es geschrieben hat, wann und mit welchen Belegen. Nimm stattdessen die Seite eines nationalen Wetterdienstes oder ein Schulbuch für Naturwissenschaften.
4. Schreibe eine Quellenangabe: Autorin Anita Rao, Jahr 2021, Titel „How Bees Dance“, Webseite BeeNet.
Im Text: (Rao, 2021). Literaturverzeichnis: Rao, A. (2021). How bees dance. BeeNet.
5. Brauchen diese eine Quellenangabe? (a) Wasser gefriert bei 0 °C. (b) Die Volkszählung von 2011 zählte in Indien etwa 1,21 Milliarden Menschen.
(a) Nein: Allgemeinwissen. (b) Ja: Es ist eine genaue Zahl aus einer Quelle. Nenne den Bericht zur Volkszählung.
6. Dein Cousin bietet an, deinen Aufsatz zu schreiben. Du willst ihn abgeben. Ist das eigenständige Arbeit?
Nein. Eigenständige Arbeit machst du selbst. Einen fremden Text abzugeben ist unehrlich, auch wenn der andere einverstanden ist. Bitte deinen Cousin, dir das Thema zu erklären, und schreibe dann selbst.
Häufige Fehler
- Zu glauben, ein kopierter Text gehöre dir, wenn du ein paar Wörter änderst. Schreibe die ganze Idee um oder setze Anführungszeichen.
- Eine Quellenangabe zu setzen, aber die Anführungszeichen um genau kopierte Worte zu vergessen.
- Das erste Suchergebnis zu nehmen, ohne zu prüfen, wer es geschrieben hat und wann.
- Quellen am Ende aufzulisten, aber im Text nicht zu zeigen, welche Idee aus welcher Quelle stammt.