Was bedeutet Bearbeiten?
Etwas zu bearbeiten heißt, es in eine neue Form zu bringen. Eine Geschichte, ein Gedicht oder eine Nachricht kann zu einem Theaterstück werden.
In einer Geschichte kann stehen, was eine Figur denkt. Die Bühne kann Gedanken nicht direkt zeigen. Beim Bearbeiten suchen wir also Dinge, die man auf der Bühne sehen und hören kann.
Bearbeitung in der Gruppe
Eine Gruppenbearbeitung hat klare Aufgaben.
- Autor: schreibt das Skript nach der Geschichte.
- Regie: entscheidet, wie die Szenen aussehen und ablaufen, und hilft den Schauspielern.
- Schauspieler: spielen die Figuren.
- Ausstattung: plant Bühnenbild, Licht, Kostüme und Requisiten.
Schritte für die Gruppe
- Lest die Geschichte gemeinsam. Unterstreicht die wichtigsten Ereignisse.
- Wählt die Szenen, die bleiben müssen (ohne sie würde die Geschichte auseinanderfallen).
- Legt die Figuren fest und was jede will.
- Schreibt das Skript, Szene für Szene.
- Lest es laut vor und verbessert, was nicht gut klingt.
Erzähltext in Dialog und Handlung umwandeln
Nimm einen Erzählsatz: „Ravi war vor der Prüfung nervös und konnte nicht schlafen.“ Die Bühne kann „war nervös“ nicht zeigen. Wandle es um:
- Dialog: RAVI: „Und wenn ich alles vergesse?“
- Handlung: (Ravi läuft im Zimmer auf und ab und schaut immer wieder auf die Uhr.)
Skript-Format (einfach)
- Der Name der Figur steht in Großbuchstaben, danach ein Doppelpunkt oder ein Zeilenumbruch.
- Dann folgt, was sie sagt.
- Bühnenanweisungen stehen in Klammern und sagen, was die Personen tun.
Aus jedem Erzähltext-Absatz wird eine kurze Folge aus Dialog und Handlung. Im 3D werden die Erzähltext-Blöcke (grau) zu blauen Dialog-Blöcken und orangen Handlungs-Blöcken.
Unterschiedliche Bühnenformen
Wo das Publikum sitzt, verändert, wie das Stück wirkt.
- Guckkastenbühne: Das Publikum sitzt auf einer Seite und schaut auf die Bühne wie auf ein Bild im Rahmen. Gut für große Bühnenbilder und Überraschungen.
- Dreiseitenbühne: Die Bühne ragt ins Publikum hinein, das auf drei Seiten sitzt. Die Schauspieler sind näher dran.
- Arena: Das Publikum sitzt rundherum um die Bühne. Sehr nah, aber die Schauspieler müssen sich nach allen Seiten zeigen.
Wähle die Form, die zu deinem Raum und deiner Geschichte passt. Eine Schulaula eignet sich oft für die Guckkastenbühne, ein Klassenzimmer oder ein Hof für die Dreiseitenbühne oder die Arena.
Aufführung und Auswertung
Vor der Show spielt ihr das ganze Stück mindestens zweimal durch. Am Tag selbst wärmt ihr euch auf, prüft das Bühnenbild und fangt pünktlich an.
Nach der Show führt ihr eine Auswertung durch:
- Was gut lief: Nennt zwei Dinge (zum Beispiel laute, klare Sprache oder ein starkes Ende).
- Was besser werden soll: Nennt ein bis zwei Dinge (zum Beispiel langsame Szenenwechsel).
- Rückmeldung vom Publikum: Fragt, was es gefühlt hat und woran es sich erinnert.
Eine freundliche, genaue Auswertung hilft der nächsten Aufführung mehr als nur „es war gut“.
Probier es aus: ein Absatz, eine Szene
Such dir einen Absatz aus einer Geschichte, die du kennst. Unterstreiche die Sätze, die zu Dialog werden können, und die, die zu Handlung werden können. Schreibe eine Szene mit 6 Zeilen. Probiere sie dann auf drei Arten aus: mit Freunden vor dir, auf drei Seiten und rundherum. Welche Form hat sich am besten angefühlt? Mit den Reglern im letzten 3D-Schritt siehst du die drei Formen.
Wichtige Formeln und Definitionen
- Bearbeitung = die wichtigsten Ereignisse behalten + Erzähltext in Dialog und Handlung umwandeln
- Erzähltext (erzählt) -> Dialog (gehört) + Handlung (gesehen)
- Aufgaben in der Gruppe: Autor, Regie, Schauspieler, Ausstattung
- Guckkastenbühne = eine Seite; Dreiseitenbühne = drei Seiten; Arena = alle Seiten
- Auswertung = was gut lief + was besser werden soll + Rückmeldung vom Publikum
Gelöste Beispiele
1. Wandle diesen Erzähltext in Dialog und Handlung um: „Mina hatte Angst vor der Dunkelheit, ging aber trotzdem zum Brunnen.“
Handlung: (Mina hält mit zitternden Händen eine kleine Lampe und geht langsam.) Dialog: MINA: „Es ist nur dunkel ... nur dunkel.“ Die Angst zeigt sich im Zittern und im geflüsterten Satz, der Mut darin, dass sie trotzdem weitergeht.
2. Eine Gruppe aus 4 Personen muss in 2 Wochen eine Geschichte bearbeiten. Gib einen einfachen Plan mit Rollen an.
Woche 1: Alle lesen und wählen Szenen aus; der Autor schreibt den ersten Entwurf des Skripts; die Ausstattung listet die Requisiten auf. Woche 2: Regie und Schauspieler proben; die Ausstattung baut Bühnenbild und Licht; zweimal ein kompletter Durchlauf. Rollen: Autor, Regie, Schauspieler, Ausstattung; die Schauspieler können auch der Ausstattung helfen.
3. Welche Bühnenform passt am besten für ein Stück in einem kleinen Klassenzimmer mit 30 Schülern, und warum?
Dreiseitenbühne oder Arena: Es gibt keine große Bühne, alle können nah sitzen und die Schauspieler sind nahe am Publikum. Die Guckkastenbühne braucht eine Bühne und eine Sicht nur von vorn, deshalb passt sie besser in eine Aula.
Häufige Fehler
- Die Geschichte Wort für Wort abschreiben. Die Bühne braucht Dialog und Handlung, keinen langen Erzähltext.
- Versuchen, jede Szene zu behalten. Behalte nur die, ohne die die Geschichte nicht geht.
- Eine Bühnenform wählen, ohne Raum und Sicht des Publikums zu prüfen.
- Eine Auswertung, die nur „es war gut“ sagt. Nenne, was gut lief, und eine Sache, die besser werden soll.